Das ist School-Life-Balance Part II

Die Debatte zum Phänomen Schuldruck wird bereits seit vielen Jahren mit dem Focus auf gesundheitsgefährdende Aspekte geführt, ohne dass bisher jedoch weitreichenden Veränderungen innerhalb des Schulsystems umgesetzt worden wären. Zuletzt wurde 2017 von der DAK der Präventionsradar veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass 43 % aller deutschen Schüler*innen unter dem Druck in der Schule leiden: „Ein zentrales Ergebnis unseres ersten Präventionsradars ist die große Stressbelastung, unter der viele Schüler stehen. Viele Kinder und Jugendliche gehen mit Bauchschmerzen, Kopfweh und Rückenschmerzen zur Schule. Die Studie zeigt, dass Gesundheit in unseren Schulen eine größere Rolle spielen muss.“ (DAK-Pressemitteilung Präventionsradar, 2017). Die Studie der DAK erfasste „knapp 7.000 Schüler aus mehr als 400 Klassen der Jahrgangsstufen fünf bis zehn“. Diese Dimension wurde mit unserem Ansatz für das Thema „School-Life-Balance“ nicht angestrebt. Das Thema wurde auf lokaler Ebene aufgegriffen und erste Recherchen modellhaft an einigen Schulen in überschaubarem Masse durchgeführt. Das 2019 im Auftrag des Jugendamtes Steglitz-Zehlendorf an vier Oberschulen und einem Jugendfreizeitzentrum durchgeführte Stimmungsbild zum Thema Schulstress sollte aufzeigen, welche Bestandsaufnahme Schüler*innen, Eltern und Fachkräfte heute machen. Davon ausgehend soll es 2020/21 nun zur Entwicklung weiterer Handlungsschritte auf der Basis einer empirisch angelegten Studie kommen, die in Kooperation mit der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit erfolgen wird. Hierbei unterscheiden wir: a) Konkrete Handlungsschritte in Schulen, bei der Elternarbeit und in der Jugendarbeit b) Eine weiterführende empirische Erhebung in Kooperation mit einer Fachhochschule, Durchführung einer Bedarfsanalyse c) Auswertung der Ergebnisse und Erstellung einer richtungsweisenden Handreichung für Fachkräfte, politische Gremien und Entscheidungsträger a) Konkrete Handlungsschritte bei den beteiligten Schulen Im Rahmen der Befragung haben die meisten Schulen mit Offenheit und Neugier reagiert. Sie wollen aktiv daran mitarbeiten, die Situation für Schüler*innen und Lehrkräfte zu verändern. Angesichts von personal- und Raummangel sowie eingeschränkter finanzieller Ressourcen ist dies zunächst nur in kleinen Schritten vorstellbar. Aber auch diese können bereits in die richtige Richtung weisen. In Kooperation mit der Schulsozialarbeit ist geplant, mehr Gespräche für Schüler*innen und Eltern anzubieten, Elterncafés an den Schulen einzurichten und eine „Antistress-Zentrale“ in Zusammenarbeit mit den Vertrauenslehrer*innen einzurichten. Aber auch die Schaffung von Ruhezonen und animierenden Lernorten war ein Wunsch vieler Schüler*innen – hier muss die Berliner Schulwelt angesichts der knappen Ressourcen Kreativität entwickeln. Weiter könnten jetzt verstärkt Kooperationen mit außerschulischen Orten zur Entspannung und zur Kompensation der Schülerschaft erfolgen, wie bei einzelnen Partnern bereits angedacht. Auch Achtsamkeits- und Konzentrationstraining kann intensiviert in das Schulprogramm aufgenommen werden (wie z.B. bei der Friedrich-Ebert-Oberschule in Berlin-Wilmersdorf). Vor allem aber müssen die Schulen Unterstützung dabei erhalten, wie sie die Überlastung der Fachkräfte, der Lehrpläne und die Vertrauensbasis mit den Eltern auf ein nicht krankmachendes Niveau bringen können – dafür braucht es Zeit, Ressourcen und politischen Willen. Das Netzwerk um die Schulen kann einen erheblichen teil dazu beitragen, die Einrichtungen der Jugendhilfe sowie die Familienbildung, die Zusammenarbeit mit Freien Trägern und vor allem: die Einbeziehung der Schüler*innen. Nur ein ernst gemeinter partizipativer Ansatz kann zu realistischen Erkenntnissen und entsprechenden Umsetzungen führen. Für die konkrete Umsetzung von lösungsorientierten Iden wird deshalb ein Team gebildet, welches sich aus Studierenden der Fachhochschule, Praktiker*innen der Jugendarbeit, Schüler*innen und Fachkräften aus dem Bereich Schule zusammensetzen wird.